Ich muss dazu sagen, dass ich meinen Schwager im Grunde genommen gar nicht kannte. Das hat mich natürlich auch sehr stark vor dem Schmerz, dem Gefühl des Verlusts und der Trauer geschützt, die bei einem Todesfall einfach unausweichlich sind.
Was an diesem Tag so seeeehr besonders war, das waren die Gespräche mit den Menschen, die ich zu 99% das erste Mal gesehen habe. Das waren die Kinder des Verstorbenen, zu denen er (auch) keinen Kontakt hatte. Das war seine "neue" Familie, also seine Frau und deren Tochter. Und das waren seine Freunde und weitere Verwandte. Alles Fremde für mich und zum größten Teil auch für meinen Mann.
Also alles in allem schon einmal eine ganz ungewöhnliche und stellenweise auch recht bizarre Konstellation.Abgesehen davon, dass es überhaupt Einblick in eine völlig andere Welt war durch das Milieu in dem er gelebt hat. Aber diese ungewöhnliche Konstellation gab Raum und Zeit für Gespräche, die man so im Alltag einfach nicht führt. Über Gedanken und Erlebnisse, über Schmerz und Trauer, über Liebe und Verlust. Die Menschen waren so offen und ehrlich wie selten. Verletzlichkeit war gestern einmal egal, alle waren irgendwie verletzlich an dem Tag und somit wurde, so empfand ich es, manche Vorsicht oder auch Maske, die man eventuell im Alltag vor sich her trägt, beiseite gelegt.
Für diese Erfahrungen bin ich dankbar. Die Gespräche gingen außerordentlich tief.
Abgesehen davon war die Zeremonie auf See einfach, schlicht und sehr schön. Auch das hatte ich so nicht erwartet.
Und es wurde ein Gedicht verlesen, das ich hier gerne zitieren möchte. Ein irisches Grabgedicht:
Steh nicht am Grab mit verweintem
Gesicht,
ich bin da, ich schlafe nicht.
Ich bin der Wind, der weht über die
See,
ich bin das Glitzern im weißen
Schnee.
Ich bin die Sonne auf reifender Saat,
ich bin im Herbst in der goldenen
Mahd.
Wenn Ihr erwacht im Morgenschein,
werd ich immer um Euch sein.
Bin im Kreisen der Vögel im
Himmelszelt,
ich bin der Stern, der die Nacht
erhellt.
Steh nicht am Grab in verzweifelter
Not.
Ich bin da, und ich bin nicht der
Tod.

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